Pflege-SHV verleiht den ersten vier Einrichtungen in
Deutschland die "Auszeichnung menschenwürdige Pflege"
Nach einem zweijährigen Entwicklungsprozess, der im März 2006 begann und im Mai 2008
endete, freuen wir uns, Ihnen hiermit nun die "Auszeichnung menschenwürdige Pflege" präsentieren
zu können. Der Pflege-Selbsthilfeverband e.V. reagiert damit auf eine sich zuspitzende Situation in der
stationären Altenpflege, mit immer neuen Skandalmeldungen und Berichten über Zustände, bei denen man sich
fragt, wie so etwas in unserem Rechtsstaat überhaupt möglich sein kann. Dass dies möglich ist, liegt nicht
zuletzt an der fehlenden Transparenz sowie einem fehlenden Wettbewerb, der sich über Qualitätsunterschiede
definiert. So kam uns Anfang 2006 die Idee, ein Bewertungssystem zu entwickeln, welches vergleichbar mit
den Hotelsternen - zuverlässige Aussagen zum Qualitätsstandard von Pflegeeinrichtungen macht. Da ein
Pflegeheim jedoch nur in wenigen Punkten mit einem Hotel vergleichbar ist, und eine ansprechende
äußere Fassade keine Garantie dafür bietet, dass die Menschen in dieser Einrichtung wertschätzend behandelt
werden, bedarf es zur Beurteilung von Pflegeeinrichtungen anderer Schwerpunkte und spezieller
Maßstäbe. Diese haben wir entwickelt und hinsichtlich der Anwendbarkeit an folgenden Einrichtungen
erprobt:
Stiftung St. Ludgeri,
Altenheim Essen-Werden (NRW)
Marienhaus
gGmbH, kath. Altenwohn- und Pflegeheim in Essen (NRW)
Altenzentrum Rodenbach, Wohnbereiche für neurologisch erkrankte Menschen
unter 60 Jahren (Hessen)
Seniorenresidenz Elbtalaue
in Hitzacker (Niedersachsen)
Hauptinitiator dieser Idee war Andreas Bik, Geschäftsführer
der Stiftung St. Ludgeri in Essen. Seine Einrichtung wurde als erste nach unserem Kriterienkatalog
geprüft. Seine Kollegen Georg Bonerz und Hubertus Volmer, Geschäftsführer des Marienhaus in Essen, unterstützten unseren
Ansatz ebenfalls. Sie sind in der Region und darüber hinaus bekannt als unbequemer Verfechter für
mehr Personal in den Heimen, siehe www.Nachdenkaktion.de .
Das Marienhaus war die zweite Einrichtung die sich unserer kritischen Prüfung gestellt hat.
Nach einer Evaluationsphase, wollten wir wissen, ob sich unser System auch in nicht
typischen Altenpflegeheimen anwenden lässt. Diesmal vermittelte Christine von Eiff, Qualitätsbeauftragte der
kommunalen Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreis und Mitglied unserer Arbeitsgruppe
"Heimauszeichnung", den Kontakt. Frau Knodel, Heimleiterin des Altenzentrum Rodenbach (nähe Hanau),
zeigte ebenfalls keine Scheu uns ihre Türen zu öffnen. Allerdings wurde nicht die gesamte Einrichtung
begutachtet, sondern nur die Wohnbereiche 5 und 6, in denen 30 schwerstbehinderte, jüngere Menschen leben und nach
einem speziellen Konzept betreut werden.
Anschließend reiste das Gutachterteam in Richtung frühere Zonengrenze an die Elbe,
um die Seniorenresidenz Elbtalaue zu begutachten. Harald Steindorf, Träger und Geschäftsführer der Einrichtung
erklärt sein Interesse mit folgenden Worten: " Wir verstehen uns als Pflegeheim „neuen Typs“
unter dem Leitbild: Lebenshaus. Unser Ziel ist es von einer unabhängigen Stelle und von uns unbeeinflusst überprüfen
zu lassen, ob unser Konzept nur auf dem Papier steht oder wirklich lebt.“ Damit
drückt er einen wesentlichen Punkt unsere Intention aus. Wer die oft hochtrabenden theoretischen Konzepte liest, mit denen die meisten Heime sich selbst anpreisen, wird in der Realität leider oft
eines ganz anderen belehrt. Das kann man von keiner der geprüften Einrichtungen sagen, obschon nicht alles perfekt
war. In der Gesamtbewertungen liegen alle in der Kategorie '3 Sterne', also zwischen 6,5 und 7,5 Punkten.
Dieses Ergebnis wurde zunächst mit etwas
enttäuschter Mine zur Kenntnis genommen und hat die Frage ausgelöst, ob die Prüfkriterien nicht doch
zu hoch angesetzt sind, gemessen an dem, was unter den personellen Rahmenbedingungen bestenfalls gewährleistet
werden kann. Vergleicht man die Qualität die wir in den geprüften Häusern vorfanden, mit der
durchschnittlich anzutreffenden Qualität in deutschen Pflegeheimen, hätten die o.g. Einrichtungen allesamt 5
Sterne verdient. Doch Maßstab kann nicht der Unterschied zu wesentlich schlechteren Häusern sein, sondern
die Gewährleistung von Grundrechten auf die jeder Bürger, auch und gerade im Zustand der Abhängigkeit von
Hilfe, Anspruch hat. Darum geht es dem Pflege-Selbsthilfeverband in erster Linie und diesem Ziel entspricht das System
"Auszeichnung menschenwürdige Pflege
St. Katharinen den 22.05.2008
Adelheid von Stösser, 1. Vorsitzende Pflege-SHV |

Informationen
zu diesen Einrichtungen und Bewertungsergebnisse
Worin unterscheidet sich die von Pflege-SHV verliehene Heimauszeichnung von dem
Heim-Benotungssystem des MDK, nachdem die stationäre Pflege ab 2009 bewertet werden soll:
Heimauszeichnung bewertet das Ergebnis und gibt Auskunft über die
Lebens- und Pflegequalität: Wie lebt es sich in der Einrichtung? Wie geht man mit einander um?
Mit dem
MDK-System werden Vorhandensein/ Nichtvorhandensein von Strukturvorgaben
bewertet. Benotet wird ob das Heim allgemein übliche oder vorgeschriebene Angebote macht und bestimmte
Vorschriften beachtet. Qualität und Ergebnis dieser Angebote werden nicht erfasst. Die Note gibt
keine Auskunft über die Lebens- und Arbeitsqualität in dem betreffenden Pflegeheim.
Stellungnahme
des Pflege-SHV zum MDK Benotungssystem für Pflegeheime vom Nov. 2008
Lesen Sie hier den Beitrag von Andreas
Bik, in der Heimzeitschrift der Stiftung St. Ludgeri, der den Unterschied zur MDK Prüfung
bisherigen Formates den Heimbewohnern, Angehörigen und Mitarbeitern verständlich zu machen versucht.
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